Zurück zu den Wurzeln

Der Herbst ist da und mit ihm schwindendes Licht, fallendes Laub und Erinnerungen an andere Zeiten. In diesen Tagen der Ernte erinnerte ich mich häufig an die Erzählungen und das Leben mit meiner Großmutter. Damals war es sicher schwerer die Ernte einzubringen, es waren auch nicht solche Mengen, oder riesen Maschinen – es war ein richtiges Event auf den Feldern. Ich half als Kind oft beim Kartoffengraben, die Bauern spendierten eine Brotzeit zur Stärkung auf dem Feld und danach wurde gemütlich zusammen gesessen. Nachdem alles gesäubert wurde, auch die Geräte, Straßen rund ums Feld, etc.

Meine Großmutter sagte, man traf rund ums Jahr Menschen draußen, die etwas arbeiteten oder nach dem rechten sahen. Das miteinander, die Zeit, die netten Worte und der Segen waren täglich spürbar. Das Leben war weniger bequem, doch viel natürlicher in eigentlich allen Dingen. Man folgte dem Lauf der Sonne, des Mondes, der Gezeiten, des Puls des Lebens.

Um den eigenen Alltag von den industriellen und unökologischen Aspekten zu säubern, kann jeder etwas beitragen. Zurück zu den Wurzeln.

Kleine Beiträge im Alltag:

  • ungenutzte Dinge aus Küche, Bad, Schränken weggeben, verschenken, spenden
  • wiederverwendbare Baumwolltücher statt „Tempo, Zewa“ etc. – das geht wirklich!
  • weniger/ unverpackte Waren
  • naturbewusstes Spielzeug kaufen, mit Kindern malen, basteln, gestalten
  • natürliche Farben und Materialien für Kunst verwenden
  • regional einkaufen:
    • Lebensmittel z.B. von solidarischer Landwirtschaft
    • Kleidung von regionalen Herstellern
  • Aufklärung anderer, hinterfragen und den Kindern diese Werte beibringen

Woher soll es eine „verwöhnte“ Gesellschaft wieder erkennen, die zum wisch-und-wegwerfen herangezogen wurde, wenn nicht in der eigenen Reflektion und den überlieferten Erinnerungen. Will man wirklich noch mehr digitale Erleichterungen finden, anstatt eine Lebenswelt zu regenerieren, die vom miteinander erschaffen an wirklichem Leben gewinnt?

Abwägen, Balance halten, sich immer wieder neu ausrichten gegen eine Welt des Strichcodes und Passwortes, für die einzigartigen, wahren Begegnungen in Freude und sinnvoller Verantwortung.

Die Erinnerung wiegt schwer, an die Zeit als meine Großmutter ihren Mann im Krieg vermisste und ihren Sohn (ein Jahr alt) alleine groß zog. Wie viele Frauen hatten damals eine ziellose Sehnsucht und waren auf sich gestellt. Unsere Generation leidet ähnlich, nur ist der Schauplatz in den Familien zu finden, die sich trennen (müssen) und so viele Bruchstücke an einstmals Herzenswärme hinterlassen.

Es sind kleine Schritte nötig, um die alten und neuen Wunden zu heilen, des damaligen kollektiven Traumas und des heutigen, um sich der Programmierungen zu erwehren. Doch zu allererst ist es ein Erkennen. Ein sanfter Wunsch, die eine Welle an Funken aussendet, um noch mehr Funken zu entzünden.

Es ist das Alltägliche, die bewusste Wahl der eigenen Berufung, der Lebensmittel, der Medienzeit, der Begegnungen. Es ist die Rückbesinnung, auf die eigene Kraft, des inneren Gebets, des Wissens um aller Scheinbarkeiten und reinen Wahrheiten. Nehmen wir die Ruder selbst in die Hand und segeln in eine lebensechte, mutige und begeisternde Zukunft, für uns und unsere Kinder.

Ein Boot auf Keramiton von meinem Sohn (8) entworfen und umgesetzte, der es auch fotografierte und videografierte.

www.christinegeier.com

Kalender für 2022 mit Naturfotografien

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