Befreiung

Diese Geschichte habe ich 2006 geschrieben und sie nun illustriert mit einem Geparden in Aquarell. Es ist ein kleiner Einblick ins kreative Schreiben, das mich schon immer begleitet. Ich habe die Geschichte nicht überarbeitet sondern sie ist so ursprünglich wie damals aus meiner Fantasie entsprungen. Bitte coyright beachten, es wird einen Buchband geben.

„Lange brannte die Sonne erbarmungslos auf ihn nieder. Gefesselt stand Mobatu da, den Kopf schon seit Stunden auf die Brust gesenkt. Die Augen geschlossen. Seine Hände fühlten sich taub an, da alles Blut daraus geflossen war. Dass es so endete, damit hatte er nicht gerechnet. Aber immerhin war sie geflohen. Sie war befreit, durch seine Hand. Was mit ihm geschah war ihm in dem Moment unwichtig. Er erinnerte sich an ihren verstörten Blick, als er ihre Fesseln durchschnitt und sie drängte zu fliehen. Mit den näherkommenden wütenden Stimmen der Krieger im Nacken, hauchte er ihr zu: „du hast die Macht alles zu ändern, lauf und gib den Menschen ihren Sinn zum Leben“ und sanft fügte er hinzu „ich liebe dich Sanya – auf ewig.“ Es fiel ihm schwer sie loszulassen, würde er sie wohl nie wieder sehen. Ein flüchtiger Kuss, dann war sie im Dickicht verschwunden und er versuchte die Männer abzulenken.

Seine geschundenen Gliedmaßen schmerzten und dort wo seine Kleidung zerschlissen war, trieb die Sonne ohne Unterlass Schweißperlen hervor und verbrannte seine helle Haut.

Die Krieger waren bis auf einen Wachposten schon vor langer Zeit aufgebrochen. Zu seiner Erleichterung konnten sie Sanyas Spur nicht folgen. Das war das einzige was zählte. Langsam und gequält hob er den Kopf und versuchte durch seine geschwollenen Augen etwas von seinem Bewacher zu erkennen. Dieser lag verkrümmt an dem Baum gegenüber, an dem er vorher die meiste Zeit über stand. Mobatu konnte sich dieses Bild nicht erklären, bis er sich auf sein Gehör konzentrierte, was durch das Pulsieren seines Blutes nicht einfach war. Da war es wieder, dieses Fauchen das ihm durch Mark und Knochen ging.

Vor ihm tauchte er auf. Mit majestätisch erhobenem Kopf und wissenden Augen. Bereit zum Sprung. Ein fast ausgewachsener Gepard, dessen Schönheit ihm schier den Atem raubte. Mobatu hatte keine Angst, in seiner Situation hatte er nichts mehr zu verlieren. Das Tier schlich um ihn herum und löste mit geschickten und vorsichtigen Bissen seine Fesseln an den Armen, so dass er die übrigen Fesseln öffnen konnte. Geschwächt fiel Mobatu auf sein Knie und sah sich Aug in Aug mit seinem Befreier. Ein Gedanke wurde wach.

„Folge dem Pfad der alten Weisheit ins Land der Ahnen. Ich werde dich begleiten“. Und wie ein Blitz schoss ihm die Kraft des Tieres in jede Zelle seines Körpers und er lief los.

Er riss sich das blutverklebte Hemd vom Leib und rannte unter der brennenden Sonne dahin. Immer in der Gewissheit, dass ihn der Gepard einige Meter entfernt begleiten würde. Sein Atem bebte, er schloss die Augen und konzentrierte sich vollkommen auf die Bewegung seiner angespannten Muskeln. Weiter immer weiter rannte er hinein in seine Freiheit. Dort würde ihm keiner mehr sagen, was er zu tun habe. Dort wäre er vollkommen frei. Vor ihm eröffnete sich die unendliche Weite der Steppe. Er spürte die Kraft des Tieres in seiner Nähe. Sie pulsierte durch seinen Körper. Und verhalf ihm dazu weiterzulaufen. Schließlich erreichte er sein Ziel. Er breitete die Hände aus und schrie sich all seine Last von der Seele. Die Welt schien sich um ihn zu drehen. An seinen Beinen spürte er den Gepard, der zu ihm aufgeschlossen hatte. Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort. In ein neues Leben.“

Das Aquarell ist eins aus drei einer Vertrauen – Tierkraft-Serie aus braun – blau Tönen mit Winsor & Newton Farben, neben einem rennenden Hirschen und einem fokussierten Hasen, siehe:

www.christinegeier.com

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